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Besteht die Prüfung, aber hilft es auch? Was die SVAR-Prüfung in doclarity kontrolliert

veraPDF sagt, ob ein PDF die maschinell prüfbaren Regeln von PDF/UA erfüllt. SVAR fragt, ob es für Menschen funktioniert. Zwölf Bereiche, was geprüft wird und wo die Grenzen liegen.

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Ein PDF kann jede automatische Prüfung bestehen und für jemanden mit Screenreader trotzdem kaum nutzbar sein. Ein Bild hat einen Alternativtext, aber er lautet „Bild1.png“. Die Überschriften sind korrekt verschachtelt, aber eine Zwischenüberschrift wurde als normaler Absatz getaggt. Der Prüfer meldet: kein Fehler.

Deshalb gibt es in doclarity zwei Prüfungen nebeneinander. Dieser Beitrag erklärt die zweite.

Zwei Prüfungen, zwei Fragen

veraPDF ist der etablierte Open-Source-Validator für PDF/UA. Er prüft die Regeln, die sich maschinell entscheiden lassen: Ist das Dokument getaggt, ist eine Sprache gesetzt, hat jedes Bild überhaupt einen Alternativtext, sind die Schriften eingebettet. doclarity prüft jedes fertige Dokument mit veraPDF und zeigt das Ergebnis samt Abweichungen offen an.

SVAR (Semantic & Visual Accessibility Review) stellt die Frage, die veraPDF nicht stellen kann: Funktioniert das Dokument für die Menschen, die es lesen? Dafür liest SVAR das fertige, getaggte PDF in zwei Schichten:

  • was ein Screenreader bekommt: den Strukturbaum mit Überschriften, Absätzen, Tabellen, Alternativtexten, Sprachangaben und Links
  • was die Seite sichtbar zeigt: das gerenderte Seitenbild

Wo beides nicht zusammenpasst, entsteht ein Befund.

Wie SVAR arbeitet

SVAR läuft auf Anfrage, direkt auf der Ergebnisseite. Die Prüfung hat zwei Teile.

Regelprüfungen ohne KI. Alles, was sich eindeutig feststellen lässt, prüft doclarity mit festen Regeln. Beispiele: Die erste Überschrift ist keine H1, eine Ebene wird übersprungen, eine Tabelle hat keine Kopfzellen, ein Link hat kein Ziel, die Dokumentsprache fehlt, ein Formularfeld hat keinen Namen.

Ein KI-Reviewer für das, was nur das Seitenbild zeigt. Ob ein Alternativtext sagt, was das Bild an dieser Stelle bedeutet, oder ob eine fett gesetzte Zeile eigentlich eine Überschrift ist, lässt sich nur im Zusammenhang beurteilen. Dafür bekommt ein KI-Modell die gerenderten Seitenbilder und die Screenreader-Sicht des Dokuments. Bewusst nicht den PDF-Text selbst: Der würde dieselben Fehler enthalten, die gefunden werden sollen.

Die Antworten des Modells werden nicht blind übernommen. Befunde zu Elementen, die es im Dokument nicht gibt, werden verworfen. Die Position jedes Befunds auf der Seite berechnet doclarity selbst.

SVAR verändert die Datei nicht. Es zeigt nur, was ein Mensch sich ansehen sollte.

Die zwölf Bereiche

Das Ergebnis erscheint als zwölf Kacheln. Grün heißt: kein Befund. Gelb heißt: mindestens eine Stelle zum Prüfen. Grau heißt: Das Dokument enthält nichts dieser Art, etwa keine Formulare.

BereichWas geprüft wird
AbbildungenFehlt der Alternativtext, ist er nur ein Dateiname oder eine Zahl, beschreibt er, was das Bild hier bedeutet?
LesereihenfolgeWeicht die Reihenfolge, in der ein Screenreader liest, von der sichtbaren Reihenfolge ab? Angezeigt als nummerierte Überlagerung der Seite.
ÜberschriftenÜbersprungene Ebenen, leere Überschriften, Zeilen, die wie Überschriften aussehen, aber keine sind, und umgekehrt
InhaltsverzeichnisFühren die Einträge zur richtigen Seite, ist das Verzeichnis als solches ausgezeichnet?
TabellenKopfzellen vorhanden und korrekt zugeordnet, Layout-Raster fälschlich als Tabelle getaggt?
Listen und TextListen als Listen ausgezeichnet, Absätze nicht zerrissen oder zusammengeklebt, Bildunterschriften zugeordnet
TextgenauigkeitStimmen die Buchstaben im Tag mit denen auf der Seite überein? Typischer Fall: Aus „Straße“ wird „StraBe“.
ArtefakteWird jeder sichtbare Inhalt vorgelesen, und wird Seitendekoration wie Kopfzeilen korrekt übersprungen?
Links und SpracheLinks mit sinnvollem Text und Ziel, sichtbare URLs als Link, fremdsprachige Passagen markiert
FormulareEchte Felder mit einem Namen, den ein Screenreader ansagen kann
FußnotenMit ihrem Verweis verbunden und an der richtigen Stelle gelesen
ErscheinungsbildSieht das getaggte PDF Pixel für Pixel so aus wie das Original?

Jeder Befund zeigt einen Ausschnitt der betroffenen Stelle, einen Satz dazu, was auffällt, einen Satz dazu, was zu prüfen ist, und einen Link in den Editor, zum betroffenen Element oder zur betroffenen Seite. Dort lässt sich die Stelle korrigieren. Danach kann die Prüfung erneut laufen.

Warum die Kachel „Erscheinungsbild“ wichtig ist

Barrierefreiheit darf das Dokument optisch nicht verändern. SVAR rendert Original und getaggte Datei und vergleicht sie Pixel für Pixel. Es gibt keinen Schwellenwert dafür, wie viel sich ändern darf: Jede unerklärte Änderung wird gemeldet. Ausgenommen sind nur Änderungen, die bewusst gewählt wurden, etwa eine angeforderte Kontrastanpassung oder eine akzeptierte Ersatzschrift.

Was SVAR nicht ist

Wir formulieren das Ergebnis bewusst vorsichtig. SVAR sagt nie „barrierefrei“. Die Ergebnisseite zeigt entweder die Zahl der zu prüfenden Punkte oder „Keine Auffälligkeiten gefunden“, mit dem Hinweis, dass auch diese Prüfung etwas übersehen kann.

Viele Befunde sind Ermessensfragen. Deshalb lässt sich jeder einzelne mit „Kein Problem“ abhaken. Die Entscheidung bleibt beim Menschen, der das Dokument verantwortet.

SVAR ersetzt auch keinen Test mit Menschen, die Screenreader täglich nutzen. Deshalb arbeiten wir mit blinden und sehbehinderten Nutzer:innen zusammen, um doclarity weiterzuentwickeln.

Kurz zusammengefasst

  • veraPDF prüft die maschinell prüfbaren Regeln von PDF/UA. doclarity zeigt das Ergebnis bei jedem Dokument transparent an.
  • SVAR prüft zusätzlich, ob Struktur und Seite zusammenpassen: zwölf Bereiche, Regeln plus ein KI-Reviewer.
  • Jeder Befund führt zur betroffenen Stelle im Editor.
  • Die Entscheidung trifft immer ein Mensch.

SVAR ist in der gehosteten Version von doclarity verfügbar. Jetzt ausprobieren auf doclarity.eu


Quellen

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