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193.198 PDFs geprüft: Wie barrierefrei sind die Dokumente von Österreichs öffentlichen Stellen?

Wir haben die Websites von 382 öffentlichen Einrichtungen in Österreich durchsucht und jedes gefundene PDF gegen PDF/UA-1 geprüft. 5,8 % bestehen. Die wichtigsten Ergebnisse.

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Öffentliche Stellen in Österreich sind seit Jahren verpflichtet, ihre Websites und die dort veröffentlichten Dokumente barrierefrei anzubieten. Für Websites des Bundes gilt das seit 23. September 2020, für Dokumente, die ab 23. September 2018 veröffentlicht wurden. Wir wollten wissen, wie weit die Umsetzung bei PDFs heute ist.

Dafür haben wir im Oktober 2026 die Websites von 382 öffentlichen Einrichtungen durchsucht und 193.198 PDFs mit zusammen 4,26 Millionen Seiten geprüft.

Das Ergebnis in Zahlen

KennzahlWert
Geprüfte PDFs193.198
PDF/UA-1-konform11.147 (5,8 %)
Median je Einrichtung (mit mind. 20 PDFs)0,2 %
Einrichtungen ohne ein einziges konformes PDF148 von 324
Überhaupt getaggt (mit Struktur)54,4 %
Ganz ohne Tags45,6 % (88.093 PDFs)
Ohne Text auf den ersten Seiten, meist Scans5,2 % (10.133 PDFs)

Knapp jedes zweite PDF hat gar keine Struktur. Für einen Screenreader gibt es darin keine Überschriften, keine Listen und keine Tabellen, nur einen ungeordneten Textstrom oder bei Scans gar nichts.

Und auch dort, wo Struktur vorhanden ist, reicht sie meist nicht: Von den getaggten PDFs bestehen nur 10,6 % die Prüfung.

Große Unterschiede zwischen den Verwaltungsebenen

GruppeKonformGetaggt
Bund: Ministerien, oberste Organe, Justiz17,4 %63,2 %
Bundesbehörden und Agenturen13,6 %55,8 %
Sozialversicherung und Gesundheit8,0 %55,8 %
Bundesländer3,7 %58,7 %
Bildung und Forschung2,3 %55,2 %
Kammern, staatsnahe Unternehmen, Kultur1,5 %49,5 %
Städte und Gemeinden0,4 %45,6 %

Je näher die Verwaltung an den Bürger:innen ist, desto seltener ist das PDF barrierefrei. Gerade Gemeinden veröffentlichen aber die Dokumente, die Menschen im Alltag brauchen: Formulare, Kundmachungen, Gebührenbescheide, Amtsblätter.

Dass es geht, zeigen einzelne Einrichtungen: Bei den drei besten Einrichtungen des Bundes sind zwischen 48 % und 74 % der geprüften PDFs konform.

Woran die PDFs scheitern

Eine Auswahl der häufigsten Verstöße (Anteil aller geprüften PDFs):

  1. Titel wird nicht angezeigt (70 %): Der Viewer zeigt den Dateinamen statt des Dokumenttitels.
  2. Keine PDF/UA-Kennung (67 %): Das Dokument erklärt nicht, welchem Standard es folgt.
  3. Inhalt weder getaggt noch als Dekoration markiert (54 %): Teile der Seite sind für Screenreader unsichtbar.
  4. Nicht als getaggtes Dokument gekennzeichnet (45 %): Für Hilfstechnologien hat das PDF keine Struktur.
  5. Schriften nicht eingebettet (39 %)
  6. Keine Sprachangabe für den Text (36 %): Der Screenreader weiß nicht, in welcher Sprache er vorlesen soll.
  7. Bilder ohne Alternativtext (23 %)

Ein typisches nicht konformes PDF verletzt sechs verschiedene Regeln.

Ein Teil davon ist schnell behoben: 4.441 getaggte PDFs scheitern nur an Metadaten wie Titel oder PDF/UA-Kennung. Das lässt sich korrigieren, ohne den Inhalt anzufassen. Für alle anderen braucht es echte Struktur: Überschriften, Lesereihenfolge, Alternativtexte, Tabellenköpfe.

Das Werkzeug entscheidet mit

Die Software, mit der ein PDF erzeugt wurde, steht in seinen Metadaten. Das erlaubt einen Blick darauf, welche Wege zu barrierefreien Dokumenten führen.

Erstellt mitPDFsKonformGetaggt
Microsoft Word62.86411,5 %91,4 %
Adobe InDesign32.39110,5 %37,1 %
Adobe Acrobat / Distiller34.8720,7 %57,3 %
Ghostscript10.2080,0 %7,3 %
Scanner / OCR5.1460 %10,8 %
Microsoft Print to PDF4.5880 %2,7 %
Online-Editoren (Canva, Google u. a.)2.1830,3 %19,6 %

Drei Beobachtungen:

  • Word erzeugt fast immer Struktur, aber selten eine vollständig korrekte. Mit dem Standard-Export besteht nur ein kleiner Teil.
  • Spezialisierte Plugins machen den Unterschied. PDFs aus Word-Plugins, die für barrierefreien Export gebaut sind, bestehen zu 83 %. Sie stellen rund 60 % aller konformen PDFs der Studie.
  • „Drucken als PDF“ und Scans führen nie zum Ziel. Von über 9.700 solchen Dateien besteht keine einzige.

Kein Durchbruch über die Zeit

ErstellungsjahrPDFsKonform
20189.1632,2 %
202011.3195,6 %
202214.0958,1 %
202418.6609,5 %
202523.9048,7 %
202631.9337,3 %

Die Quote ist seit dem Inkrafttreten der Pflichten gestiegen, aber auf niedrigem Niveau. Seit 2024 sinkt sie wieder, während die Zahl neuer PDFs stark wächst. Allein 2026 kamen bisher fast 32.000 PDFs dazu, davon rund 29.600 nicht konform.

Das betrifft also auch neue Dokumente: Jeden Tag entstehen PDFs, die viele Menschen nicht lesen können.

Was das bedeutet

In Österreich leben rund 300.000 Menschen mit Blindheit oder Sehbehinderung. Für sie ist ein ungetaggtes PDF eine verschlossene Tür. Getaggte PDFs helfen darüber hinaus Menschen mit Legasthenie, motorischen Einschränkungen oder nachlassender Sehkraft, und allen, die Dokumente am Handy lesen.

Die Zahlen zeigen auch: Mehr als die Hälfte der PDFs ist getaggt, viele Stellen bemühen sich also bereits. Was hilft, sind Werkzeuge und Abläufe, die verlässlich ein korrektes Ergebnis liefern, ohne dass jede Mitarbeiterin zur PDF/UA-Expertin werden muss.

Methode und Grenzen

  • Auswahl: 382 öffentliche Einrichtungen in zwölf Kategorien: Ministerien, oberste Organe, Gerichte, Bundesbehörden, Länder, Städte, Sozialversicherung und Gesundheit, Hochschulen und Forschung, Kammern, staatsnahe Unternehmen und Kultur.
  • Crawl: alle Domains der Einrichtung, ausgehend von Startseite und Sitemaps. robots.txt und Crawl-delay wurden eingehalten, höchstens 2,5 Anfragen pro Sekunde je Host.
  • Abdeckung: 202 Einrichtungen vollständig durchsucht, 156 an einem Limit gestoppt (höchstens 2.000 PDFs und 40 Minuten je Einrichtung, ihre Werte sind eine Stichprobe), 24 blockiert oder nicht erreichbar.
  • Prüfung: veraPDF mit dem Profil PDF/UA-1 (ISO 14289-1). PDFs über 60 MB wurden nicht geprüft.
  • Obergrenze: veraPDF prüft nur die maschinell prüfbaren Regeln. Ob die Lesereihenfolge stimmt oder ein Alternativtext das Bild wirklich beschreibt, kann es nicht beurteilen. „Konform“ heißt also: kein maschinell erkennbarer Fehler. Der tatsächliche Anteil barrierefreier PDFs liegt eher darunter.
  • Datenschutz: Jedes PDF wurde direkt nach der Prüfung gelöscht. Gespeichert sind nur Prüfergebnisse und Metadaten.
  • Stand: Oktober 2026.

Zur interaktiven Studie: Grafiken nach Jahr, Werkzeug und Art der Einrichtung


Quellen

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