Studie · Oktober 2026
Wie barrierefrei sind öffentliche PDFs in Österreich?
Wir haben 193.198 öffentlich abrufbare PDFs von 382 öffentlichen Einrichtungen gegen die maschinell prüfbaren Regeln von PDF/UA-1 (ISO 14289-1) geprüft, den internationalen Standard für barrierefreie PDFs. 5,8 % bestehen: etwa 1 von 17.
- geprüfte PDFs
- 193.198
- öffentliche Einrichtungen
- 382
- Seiten
- 4.262.431
- bestehen PDF/UA-1
- 5,8 %
Wo jedes PDF landet
Jedes Quadrat steht für 1 % aller geprüften PDFs. Knapp die Hälfte ist getaggt, verletzt aber mindestens eine Regel, fast ebenso viele haben gar keine Struktur. 4.441 getaggte Dateien scheitern nur an Metadaten wie dem Titel, die sich setzen lassen, ohne den Inhalt anzufassen. 10.133 Dateien enthalten auf den ersten Seiten keinen Text, meist Scans.
- 5,8 %bestehen die PDF/UA-1-Prüfung
- 48,6 %sind getaggt, verletzen aber mindestens eine Regel
- 45,6 %haben gar keine Tags
Neuere Dateien schneiden besser ab, aber kaum
Nach Erstellungsjahr. Vor 2016 besteht praktisch kein PDF. Seit 2010 hat sich der Anteil getaggter Dateien etwa verdoppelt; der Anteil, der besteht, lag 2024 bei 9,5 % und liegt 2026 bei 7,3 % (Stand Anfang Oktober).
| Jahr | PDFs | Getaggt | Besteht PDF/UA-1 |
|---|---|---|---|
| 2010 | 2.216 | 30,4 % | 0 % |
| 2011 | 2.808 | 39,7 % | 0 % |
| 2012 | 3.117 | 34,2 % | 0 % |
| 2013 | 3.749 | 37,2 % | 0 % |
| 2014 | 4.757 | 40,9 % | 0 % |
| 2015 | 5.210 | 46,5 % | 0,1 % |
| 2016 | 6.257 | 52,6 % | 3,1 % |
| 2017 | 6.210 | 52,7 % | 2,1 % |
| 2018 | 9.163 | 58,6 % | 2,2 % |
| 2019 | 9.678 | 56,4 % | 3,8 % |
| 2020 | 11.319 | 55,2 % | 5,6 % |
| 2021 | 12.860 | 62,2 % | 7,6 % |
| 2022 | 14.095 | 60,1 % | 8,1 % |
| 2023 | 15.817 | 58,6 % | 8,3 % |
| 2024 | 18.660 | 63,3 % | 9,5 % |
| 2025 | 23.904 | 61,6 % | 8,7 % |
| 2026 | 31.933 | 58,8 % | 7,3 % |
Getaggt heißt nicht gleich bestanden
Nach Erstellungsprogramm laut PDF-Metadaten. Office-Exporte sind fast immer getaggt, doch Tags allein bringen eine Datei selten durch die Prüfung. Gedruckte und gescannte PDFs sind fast nie getaggt.
Nach Art der Einrichtung
Über alle Dateien einer Gruppe gerechnet. 148 von 324 Einrichtungen mit mindestens 20 geprüften PDFs haben keine einzige Datei, die besteht.
Die am häufigsten verletzten Regeln
Anteil aller geprüften PDFs, die die jeweilige Regel verletzen; die meisten Dateien verletzen mehrere. Ganz oben stehen Metadaten. Dahinter fehlt vielen Dateien die Struktur selbst, und auch getaggte Dateien scheitern, an Schriften, Links und Bildern ohne Alternativtext.
- Titel wird nicht angezeigt70,2 % der PDFs
Der Viewer zeigt den Dateinamen statt des Titels, vorgelesen wird dann etwa „scan_0042.pdf“. PDF/UA-1 7.1-10
- Keine PDF/UA-Kennung67 % der PDFs
Die Datei erklärt nicht, dass sie PDF/UA erfüllen will. Für Lesende unsichtbar, für jede Prüfung Pflicht. PDF/UA-1 5-1
- Inhalt weder getaggt noch Artefakt53,7 % der PDFs
Teile der Seite sind weder Struktur noch als Artefakt markiert. Screenreader überspringen sie oder lesen Kopf- und Fußzeilen mitten im Text. PDF/UA-1 7.1-3
- Nicht als getaggt gekennzeichnet44,5 % der PDFs
Das PDF meldet sich nicht als getaggt, Hilfstechnik behandelt es als unstrukturiert. PDF/UA-1 6.2-1
- Kein Strukturbaum, keine Tags42,2 % der PDFs
Keine Überschriften, Listen oder Tabellen. Screenreader lesen einen ungegliederten Textstrom, ohne Möglichkeit zu springen. PDF/UA-1 7.1-11
- Schriften nicht eingebettet38,6 % der PDFs
Die Schriften fehlen in der Datei. Zeichen können anders aussehen oder falsch vorgelesen werden. PDF/UA-1 7.21.4.1-1
- Textsprache nicht festgelegt35,8 % der PDFs
Die Sprachausgabe weiß nicht, welche Sprache sie vor sich hat, deutscher Text klingt dann womöglich englisch. PDF/UA-1 7.2-34
- Kein Titel in den Metadaten30,6 % der PDFs
Ohne Titel erscheint in Tabs, Listen und Suchergebnissen nur der Dateiname. PDF/UA-1 7.1-9
- Anmerkungen ohne Beschreibung29 % der PDFs
Kommentare, Stempel und ähnliche Anmerkungen haben keine Beschreibung, Hilfstechnik kann nicht sagen, was sie sind. PDF/UA-1 7.18.1-2
- Links ohne Beschreibung28,9 % der PDFs
Screenreader lesen nur „Link“ oder die nackte Adresse vor, nicht wohin er führt. PDF/UA-1 7.18.5-2
- Keine XMP-Metadaten23,9 % der PDFs
Titel und PDF/UA-Kennung haben keinen Platz in der Datei. PDF/UA-1 7.1-8
- Abbildungen ohne Alternativtext23,1 % der PDFs
Blinde Lesende erfahren nicht, was ein Bild, Diagramm oder Logo zeigt. PDF/UA-1 7.3-1
Was kein Prüfprogramm sieht
„Besteht“ heißt hier: keine maschinell prüfbare Regel verletzt. Ob ein Alternativtext das Wesentliche sagt oder Überschriften eine echte Hierarchie bilden, kann veraPDF nicht beurteilen. doclarity ergänzt dafür eine KI-Prüfung, und ein Mensch prüft das Ergebnis und hat das letzte Wort.
Eigenes PDF kostenlos prüfenMethode und Grenzen
- Wer
- 382 öffentliche Einrichtungen in Österreich in zwölf Kategorien: Ministerien, oberste Organe, Gerichte, Bundesbehörden, Bundesländer, Städte, Sozialversicherung und Gesundheit, Hochschulen und Forschung, Kammern, staatsnahe Unternehmen und Kultur.
- Wie die Dateien erhoben wurden
- Öffentlich abrufbare PDFs, automatisiert von den eigenen Websites der Einrichtungen abgerufen, ausgehend von der Startseite und den Sitemaps. robots.txt und Crawl-delay wurden eingehalten, je Host höchstens 2,5 Anfragen pro Sekunde. Websites, die den Abruf abgewiesen haben, wurden nicht umgangen (24 Einrichtungen).
- Grenzen
- Höchstens 2.000 PDFs und 40 Minuten je Einrichtung. 156 Einrichtungen haben eine Grenze erreicht, ihre Werte sind eine Stichprobe; 202 wurden vollständig erfasst. Dateien über 60 MB wurden nicht geprüft.
- Die Prüfung
- veraPDF, Profil PDF/UA-1 (ISO 14289-1), das nur die maschinell prüfbaren Regeln testet. „Besteht“ ist eine Obergrenze: Lesereihenfolge und die Qualität von Alternativtexten bleiben offen.
- Die Dateien
- Jedes PDF wurde direkt nach der Prüfung gelöscht. Gespeichert sind nur Prüfergebnisse und Metadaten, und diese Seite zeigt nur Summen, nie einzelne Einrichtungen.
- Stand
- Oktober 2026. Dateien aus 2026 reichen bis Anfang Oktober.
Zitiervorschlag: Klartext AI, „Wie barrierefrei sind öffentliche PDFs in Österreich?“, doclarity-Studie, Oktober 2026, https://doclarity.eu/de/study
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